Sie sind topmotiviert, ein tolles Team aus dem ganzen Bundesgebiet und sie wollen beruflich weiterkommen. Und das Beste ist: Sie sind mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache. Die Rede ist vom deutschen Nationalteam der Stuckateure.

Im Bildungszentrum 2 der Handwerkskammer für Mittelfranken haben sich die jungen Handwerker erstmals zu einem dreitägigen Auftakttraining getroffen. Ihr Ziel? Die Europameisterschaft der Berufe „EuroSkills 2018“ Ende September in Budapest.

In der Werkstatt von Josef Gruber ist es staubig. Es riecht nach Baustelle, ab und zu läuft mal ein Wasserhahn oder ein Rührgerät. Es herrscht konzentrierte Ruhe, nur das Kratzen, wenn Spachteln über Putz streichen, ist zu hören. Ab und zu gibt Trainer Gruber ein paar Tipps. Ansonsten wird eher wenig gesprochen.

15 Wochen Training

Sieben junge Männer stehen an ihren Werkstücken und arbeiten genau nach Plan. Die Aufgabenstellung ist schwierig. „Eine Essenz aus Wettbewerbsaufgaben“, erklärt Frank Schweizer, der aus Leonberg in Baden-Württemberg kommt und gemeinsam mit dem Nürnberger Ausbildungsmeister Josef Gruber die jungen Gesellen und Meister betreut.

Trockenbauwände sollen in bestimmter Größe und bestimmten Winkeln zueinander aufgebaut werden, dann werden Kanten und Ecken ausgebildet, Wände verspachtelt und zum Schluss kommt die Jahreszahl 2018 als Stuckprofil auf die Außenwand. Jeder erfüllt die Aufgabe so, wie er es für richtig hält. Anschließend wird über die Ergebnisse diskutiert.

Einer, der das Training besonders ernst nimmt, ist Alexander Schmidt. Der junge Stuckateurmeister aus Großharbach im Landkreis Ansbach wird bei der Europameisterschaft für sein Team antreten. Seine insgesamt neun Mannschaftskollegen werden ihm beistehen. „Ohne Unterstützung wäre das gar nicht möglich“, weiß der 21-Jährige. „Meine Freunde haben sich auch schon angemeldet“, erzählt er stolz. Er freut sich auf die Herausforderung, weiß aber auch um die Vorarbeit, derer es bedarf: „15 Wochen Training liegen vor mir.“ Und zwar an ganz unterschiedlichen Orten in Deutschland.

Wie kam es dazu, dass der Mittelfranke auserwählt ist, Deutschland bei den EuroSkills zu vertreten? Er war im Februar 2018 beim Ausscheidungswettkampf auf der Messe „Bautec“ in Berlin Bester. Nun tritt er bei der Europameisterschaft in Budapest an. Außerdem sind er und seine Mannschaftskollegen schon seit 2017 zwei Jahre lang als Botschafter für den eigenen Beruf und das Handwerk unterwegs.

Als Experte im Einsatz

Josef Gruber ist stolz auf „seine“ Jungs. Sie liegen ihm am Herzen, das merkt man. „Mir macht diese Arbeit großen Spaß“, sagt er. Sein Ziel ist es, den Nachwuchs bestmöglich auf die Wettbewerbe vorzubereiten. Dort ist er übrigens auch als Experte im Einsatz, der mit anderen die Aufgabenstellung vorbereitet. Er hat darum immer anspruchsvolle Übungen und gute Tipps für seine Schützlinge parat.

Seit sechs Jahren betreut er zusammen mit Frank Schweizer und Dieter Stempel aus Nordrhein-Westfalen die Nationalmannschaft der Stuckateure. Und was bringt es den jungen Leuten nun, wenn sie Mitglied im Nationalteam sind? „Man entwickelt sich handwerklich unheimlich weiter, die Sachen für den Wettbewerb müssen perfekt sein“, weiß Carlo Schmid, der Alexander Schmidts Stellvertreter für die EuroSkills ist. „Es ist schon toll hier“, findet auch der zweite Mittelfranke im Team, Sebastian Rupp. Denn das Zusammengehörigkeitsgefühl, die intensive Übung und die Chance, einen internationalen Wettbewerb hautnah mitzuerleben, sind ebenfalls viel wert.